News 2008
München, 9. Januar 2008
Dicke Luft unter heißer Sonne
Neues Anwendungsgebiet für Hochdruck-Kompressoren im Nickelerzabbau
Hochdruck-Kompressoren verdichten
Luft von 90 bis 500 bar. Im Bereich
des Erzabbaus auf Neukaledonien
unterstützt Hochdruckluft die
Aufbereitung in einem Säure-Autoklaven.
Dabei überzeugt die Sonderanlage
für die Nickelaufbereitung
durch Containerbauweise, die den
extremen Klimabedingungen gewachsen
ist.
Auf dem australischen Neukaledonien, dessen
lateritisches Nickelerzvorkommen zum
weltweit größten zählt, entsteht bei Goro für
die Gewinnung des Metalls ein kompletter
mächtiger Industriekomplex mit Produktionsstätten,
Energieversorgung, Hafenanlagen,
Straßen und Beschäftigung für ca.
800 Personen. Dort lagern über 50 Mio. t mineralisches
Gestein, dessen Abbau im Tagebau
sich über viele Jahre erstrecken wird.
Der Betreiber dieses Erzabbauprojektes in
der Region um Goro ist eine brasilianische
Firma - Companhia Vale do Rio Doce -, die
weltweit auf dem Gebiet der Nickelgewinnung
erfolgreich agiert. Man erwartet eine
jährliche Ausbeute von ca. 60 000 t Nickel,
als Nebenprodukt fallen bis zu 5000 t Kobalt
an. Für den Kauf der Mine, die Errichtung
der Produktionsstätten und Aufl agen zum
Schutz der Umwelt musste ein sehr hoher
Kostenaufwand betrieben werden.
Das im lateritischen Erdabbau gewonnene
Nickelerz wird in einem metallurgischen
Prozess unter Einwirkung von Säure, Wasser
und Druckluft in einem Autoklaven aufbereitet,
wobei eine Nickelsulfatlösung entsteht,
aus der Nickelsulfid ausgefällt und
unter Druck in Schwefelsäure gelöst wird.
Durch weitere verfahrenstechnische Behandlung
wird schließlich reines Nickel gewonnen.
Moderne Methode
Dieses Verfahren (high pressure acid leaching),
das noch nicht häufig eingesetzt wird, ist besonders Energie sparend gegenüber
dem klassischen Schmelzvorgang in
Drehrohröfen. Das mit Wasser vermengte
Ausgangsmaterial (Nickelerz-Konzentrat =
Slurry) wird durch Diaphragma-Pumpen
dem Säure-Autoklaven mit einer Temperatur
von ca. 200-250 °C zugeführt und mit
Schwefelsäure sowie Druckluft von ca. 60-80 bar beaufschlagt. Der Materialeintrag
wird durch Rührwerke kräftig vermengt.
Der Autoklav hat einen Durchmesser von
ca. 5 m bei einer Länge von rund 30 m.
Die mit 60-80 bar eingeblasene Druckluft
dient in erster Linie zur Unterstützung
des Aufbereitungsvorganges im Autoklaven.
Ferner muss bei einem Leistungsabfall der
Innendruck konstant bleiben, um die Dichtungen
vor frühzeitigem Verschleiß zu
schützen. Des Weiteren muss Druckluft für
die Autoklaven zur Verfügung stehen, wenn
diese zum Reinigen außer Betrieb gesetzt
werden.
Auswahl der Druckluftstation
Um die Druckerzeuger vor der staubigen
Atmosphäre und der intensiven Sonneneinstrahlung
zu schützen, wurden in die sie
umschließenden Großcontainer Zu- und
Abluftöff nungen und Sandfallen eingebaut.
Zur Geräuschminimierung sind die Container
auch schallgedämmt ausgeführt und
erreichen einen Schalldruckpegel von ca.
73 dB(A), gemessen in 1 m Entfernung nach
DIN 45635.
Zur Versorgung der drei Autoklaven mit
Druckluft wurden drei Container-Kompressorstationen
(je 20 ft.) konzipiert, die unabhängig
voneinander betrieben werden.
Durch gezielte Zu- und Abluftführung des
Kühlluftstromes im Inneren des Containers
und aufgrund einer sehr ausgereiften Verdichtertechnik,
arbeiten die Hochdruckkompressoren
optimal unter diesen schwierigen
Umweltbedingungen.
Zur Deckung des erforderlichen Gesamtluftbedarfes
von ca. 300 m3/h für die drei
Autoklaven entschied sich der Betreiber für
drei Serienverdichteranlagen vom
Typ I 25.0-45, mit einer Liefermenge von je 114 m3/h und einem einstellbaren Enddruck
von 90–350 bar. Dieses Modell ist ein
luftgekühlter und druckölgeschmierter
vierstufiger Verdichter, der sich in Ländern
mit heißem Klima, wo auch Sandstürme
keine Seltenheit sind, im Dauereinsatz rund
um die Uhr bestens bewährt hat.
Ausgefeiltes Konzept
 |
| Die Container
schützen die
Kompressoren vor
Staub und massiver
Sonneneinstrahlung |
Jede Anlage wird einzeln gesteuert und ist
mit einer vollautomatischen Kompressorsteuerung
- BAUER B-CONTROL - ausgerüstet.
Diese überwacht alle betriebsspezifischen
Werte des Kompressors und des Motors. Bei
einer Fehlfunktion der Überwachungswerte
wird der Kompressor automatisch abgeschaltet
und die Fehlermeldung an eine
übergeordnete Leitstelle signalisiert und
überwacht.
Die Druckluft muss für unterschiedliche,
verbrauchsabhängige Aufgaben im Autoklaven
zur Verfügung stehen. Um Laufzeiten
des Kompressors von nur wenigen Minuten
zu vermeiden, ist es sinnvoll, die
Druckluft auf ca. 300 bar zu verdichten und
in Speicherflaschenbatterien von je 12 × 80 l
Wasservolumen zu speichern. Damit wird
sichergestellt, dass sich der Kompressor
nicht mehr als 4-5-mal pro Stunde ein- und
ausschaltet. Bei Entnahme der Druckluft
aus der Speicherstation gelangt diese dann
in die Druckreduzierstation.
Die auf 300 bar verdichtete Druckluft wird
hinter der Speicherstation von einer
Druckreduzierstation auf den jeweils erforderlichen
Betriebsüberdruck im Autoklaven
eingestellt, überwacht und abgesichert.
Der für das Hauptverfahren erforderliche
Systemdruck liegt zwischen 60 und 80 bar.
Um zu verhindern, dass der Druckabfall
von 300 auf 60 bar Überdruck zu einer Vereisung
des Reglers führt, muss die komprimierte
Druckluft nach der letzten Stufe des
Kompressors getrocknet werden. Diesen
Vorgang übernimmt ein Hochdruck-Kältetrockner
mit einem maximal zulässigen Betriebsüberdruck
von über 300 bar. Die Luft
wird dabei auf einen Drucktaupunkt von ca.
+ 3 °C eingestellt. Ein nachgeschalteter Koaleszenzfilter entfernt zusätzlich die bei der
Verdichtung angefallenen Aerosole.
Autor:
Dipl. Ing. Ludwig Kühlwein
Projektingenieur, Industriebereich
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